• Dag Frommhold

SWR und WDR: Gratispropaganda Jagd

Gleich mehrfach hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich in den letzten beiden Wochen zum Sprachrohr der Jägerschaft gemacht.


SWR Leute: Eine Bühne für Hobbyjägerin und Jagdtouristin Steinbach

Den Anfang machte die SWR1-Radiosendung „SWR Leute“ am 2. März, die der begeisterten Hobbyjägerin und selbsternannten „Jagd-Influencerin“ Alena Steinbach mehr als eine halbe Stunde Zeit gab, biologische Tatsachen zu verdrehen, Wildtiere von Waschbär bis Fuchs als Schädlinge zu denunzieren und die Jagd als bewaffneten Naturschutz zu verklären. Eine Diskussion fand nicht statt; die Moderatorin griff (echte oder vermeintliche) Hörerfragen nur als Steilvorlagen für Steinbachs Argumentation auf. Kritisches Nachfragen? Eine ernsthafte Auseinandersetzung damit, dass Steinbach sich auch gerne in Afrika mit erschossenen Exoten ablichten lässt? Fehlanzeige.


SWR und WDR - Das Gebot journalistischer Fairness wird mit Füßen getreten


WDR Markt: Zehn Sekunden für kritische Argumente

Nicht weniger einseitig waren gleich zwei Beiträge, die das WDR-Fernsehen am 11. März ausstrahlte. In der Sendung „Lokalzeit“ wurde zunächst eine (echte oder vermeintliche) Veganerin präsentiert, die den Jagdschein macht, um Fleisch von selbst geschossenen Tieren essen zu können. Am selben Tag wurde dann unter dem Titel „Jagd: ‚Tödliches Hobby‘ oder Umweltschutz?“ im WDR Markt erneut äußerst tendenziös über die Jägerei berichtet: Der Raum für jagdkritische Argumente in dem etwa 15-minütigen Beitrag beschränkte sich auf gut zehn Sekunden, in denen sich die animal public-Vorsitzende Laura Zodrow zur Wildschweinjagd positionieren durfte. Da Zodrows Einwand, Wildschweine vermehrten sich schließlich gerade durch die intensive Bejagung nur noch stärker, im Gegensatz zu den Äußerungen der interviewten Jäger offensichtlich nicht einfach für sich stehen durfte, zog man als „Schiedsrichterin“ ausgerechnet Martina Hudler zu Rate. Hudler ist in Weihenstephan Dozentin für Jagdlehre und selbst Jägerin. Überrascht es da, dass sie in dem WDR-Beitrag strikt die Linie der Jagdverbände vertrat, derzufolge die Jagd nun einmal unbedingt sein müsse?


Vielleicht passen die SWR- und WDR-Beiträge in eine Zeit, in der faktenbasierter Diskurs und wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn von populistischen Lautsprechern in den Hintergrund gedrängt werden. Dass jedoch gerade WDR und SWR das Gebot journalistischer Fairness mit Füßen treten und als öffentlich-rechtliche Sender an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, der Jagdlobby das Wort zu reden, ist bezeichnend.


WDR: Jagdverband nimmt über Rundfunkrat Einfluss auf Programmgestaltung

Zumindest im Falle des WDR könnte das vielleicht daran liegen, dass seit Dezember 2016 der Landesjagdverband NRW einen Sitz im WDR-Rundfunkrat besitzt und von dort Einfluss auf die Programmgestaltung nimmt. Gerade der WDR ist in den letzten Jahren immer wieder durch eine einseitige Berichterstattung zu den Themen Jagd und Tierschutz aufgefallen, in der Fakten verdreht, Zitate und Wortbeiträge sinnentstellend gekürzt und Kritiker – wenn überhaupt – nur sehr kurz zu Wort kommen durften (siehe z.B. die Sendung „Westpol“ vom März 2018).


Zu den besprochenen Sendungen geht es hier:

- SWR: - WDR Lokalzeit Köln: - WDR Markt:


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