• Daniel Peller

Fuchs - ein Gedicht von Daniel Peller

Aktualisiert: Mai 1

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Ich lebe mein Leben als Schatten der Nacht, meist unscheinbar und sehr auf Vorsicht bedacht. Versteckt vor den Menschen, tief in meinem Bau, mit meiner Familie, vier Kindern und Frau. Kaum jemand versteht mich, wie ich wirklich bin, sorgt sich um mein Leben oder dessen Sinn. Verspielt und genügsam, verletzlich, genial, bequem und neugierig und durchaus sozial. Ein liebender Vater und ein guter Mann, spiel‘ gern mit den Welpen, so oft ich nur kann. Sie sind noch so winzig und oft ungeschickt, noch viel ist zu lernen, ich hab‘ sie im Blick.

Welpen am Bau
Welpen am Bau, Bild: FrecherFuchs.de

Bring‘ Nahrung und Spielzeug, das ihnen gefällt, lehr‘ sie auch das Jagen, zeig‘ ihnen die Welt. Bevorzuge Beute, die sehr häufig ist, bin – was Nahrung angeht – ein Opportunist. Es gibt reichlich Mäuse, ich fange sie leicht, denn als Mäusejäger bin ich unerreicht. Das Leben ist schwierig bei all der Gefahr durch Autos und Hunde und Jäger, ganz klar. Doch ein wildes Leben, so schwer es auch ist, wollt‘ ich niemals missen, soviel ist gewiss. So schütze ich Förster – wer hätt‘ es gewusst? – und außerdem Bauern vor großem Verlust. Rund viertausend Mäuse erbeut‘ ich pro Jahr, die Menschen sind leider total undankbar. Auch Obst ess‘ ich gerne, verschmäh‘ nicht mal Aas, unnötig zu töten macht mir keinen Spaß. Es gibt so viel Nahrung, es ist mir genug. Jagd auf selt‘ne Arten? Das wäre nicht klug. Ja, Kranke und Schwache, die fange ich schon, doch das ist natürlich, dient der Selektion. So schütze ich Tiere vor unnöt’gem Leid und vor der Ausbreitung von schlimmer Krankheit. Ich bin euch so nützlich, doch seht ihr das nicht. Stattdessen verunglimpft und verfolgt ihr mich. Auf Märchen und Sagen, auf Jägerlatein, basiert euer Bild von uns, das darf nicht sein. Wir werden erschossen, verfolgt und erschlagen! Warum uns nicht schützen, die Jagd hinterfragen? Doch wem sag‘ ich all das, bin doch ganz allein. Um mich ist es dunkel, kann mich nicht befrei‘n. Das Schicksal besiegelt, ein Fehler reicht aus, sitz‘ ich in der Falle, kein Weg führt hinaus. Der Köder: verlockend! Ach ich war ein Narr. Der Jäger wird kommen, das war mir gleich klar. Um meine Freiheit, den Sinn meines Lebens, kämpf‘ ich seit Stunden, voll Panik – vergebens. Was wird aus den Kindern? Geht es ihnen schlecht? Und wenn sie verhungern? Dem Jäger wär’s recht. Ich höre ein Auto, bald ist es vorbei. Ich will noch nicht sterben! Ein Hund eilt herbei. Gezüchtet zum Töten, ein Werkzeug der Jagd. Voll Hass ist sein Bellen und was er mir sagt. Er will mich zerfleischen, dem Herrn zu gefallen. Nur Recht wär’n ihm dabei, die schrecklichsten Qualen. Lasst mir doch mein Leben, ich wär gerne frei! Nun tritt hämisch grinsend der Jäger herbei. Wird er mich ertränken, erschießen, erschlagen? Kein Tod kann gerecht sein, ist leicht zu ertragen. Kein Wissen, kein Einseh‘n, kein Mitleid, kein Grund steht hinter der Fuchsjagd. Ich bin kerngesund. Bin nicht eure Kleidung und keine Gefahr, will einfach nur leben, wie’s immer schon war. Bin sogar sehr nützlich fürs Ökosystem. Die Fuchsjagd ist schädlich! Wollt ihr nicht versteh’n? Beweise gibt’s reichlich, durch Studien geklärt. Die Schonung von Füchsen ist praktisch bewährt! Ihr lügt dennoch weiter und sprecht von Gefahr, nehmt fünfhunderttausend Fuchsleben pro Jahr. Die Lust uns zu töten ist einfach nur krank! Ist uns nicht zu morden denn zu viel verlangt? Der Jäger kommt näher, er kennt keine Gnade. Falls doch jemand zuhört: Merk Dir was ich sage! Vielleicht bist Du anders und hast auch ein Herz, kannst seh‘n unser Leiden und spür‘n unsern Schmerz. Vielleicht magst Du Tiere und bist gern bereit, die Schwachen zu schützen vor sinnlosem Leid. Als Mensch hast Du Einfluss, denk immer daran. Du kannst doch so vieles, das ich nicht tun kann. Hat meine Geschichte Dich traurig gemacht? So hör‘ meine Bitte und gebe gut acht: Bist Du meine Stimme, wenn ich nicht mehr bin? Dann hatte mein Sterben doch noch einen Sinn…

(Daniel Peller)

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